
Kurfürst und Erzbischof von Mainz vom 30.03.1695 bis zum 30.01.1729 Fürstbischof von Bamberg
geboren am 04.10.1655 in Steinheim/Main, gestorben am 30.01.1729 in Mainz
 Mit Schönborn, dem Neffen von Johann Philipp v. Schönborn begann die Ausweitung des Einflusses der Schönborn auf den Südwesten der Germania Sacra in einem Umfang, den selbst die ehrgeizigsten Mitglieder dieser ursprünglich wenig bedeutenden Westerwälder Adelsfamilie kaum zu ahnen vermochten.
Schönborns Vater, der kurmainzische Amtmann Philipp Erwein von Schönborn (1607-1668), war der einzige Bruder des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn, seine Mutter Maria Ursula, geb. Greiffenklau von Vollrads (1610-1682) eine Nichte des 1629 verstorbenen Kurfürsterzbischofs von Mainz, Georg Friedrich von Greiffenklau. Zur weiteren Verwandtschaft zählten die einflussreichen Familien von Eltz und von der Leyen.
Noch vor Schönborns Geburt, der als letztes von 14 Kindern das Licht der Welt erblickte, waren zwei seiner Schwestern mit Angehörigen der ebenfalls bedeutenden Häuser Wambold von Umstadt und Metternich-Burscheid verheiratet worden. Die größten Hoffnungen der Familie Schönborn ruhten zunächst auf dem hoch begabten ältesten Bruder Schönborns, Franz Georg, der von seinem Onkel Johann Philipp nach Kräften gefördert wurde und große Ambitionen auf dessen Nachfolge hatte.
Aber auch Schönborn war für den geistlichen Stand bestimmt. Zusammen mit seinem nächstälteren Bruder Johann Erwein erhielt er am 10.03.1665 die Tonsur im Dom zu Mainz. Noch im gleichen Jahr wurde er Domizellar in Würzburg (28.07.1665), zwei Jahre später in Bamberg (21.07.1667). Die Erziehung des vielseitig interessierten Knaben oblag den Jesuiten in Aschaffenburg. In das Mainzer Domkapitel, das gemäß seiner Statuten nicht zwei Brüder zugleich als Mitglieder aufnehmen durfte, konnte Schönborn erst 1674, nach dem plötzlichen Tod seines Bruders Franz Georg, eintreten. Überhaupt bildeten die Jahre 1673/1674 einen gravierenden Einschnitt im Aufstieg der Schönborn. Nach dem Tod von Kurfürsterzbischof Johann Philipp (12.02.1673) und dem erwähnten Franz Georg (16.07.1674) ergaben sich notwendige Besitzregelungen, wobei einige Familienmitglieder auf Teile ihres Erbes verzichteten. Nutznießer dieser Transaktionen waren vor allem Schönborn und sein älterer Bruder Melchior Friedrich (1644-1717), dessen Söhne nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung von Schönborn zu höchsten Würden aufsteigen sollten.
Während Melchior Friedrich vor allem im Raum Aschaffenburg reich begütert wurde, fielen Schönborn die fränkischen Besitzungen der Schönborn um Gaibach zu. Zu jener Zeit widmete er sich theologischen und juristischen Studien in Wien, wo ihn u.a. der Kaiserhof beeindruckte. Diese Erfahrung wie auch das Miterleben des Scheiterns der auf Ausgleich mit Frankreich bedachten Politik seines Onkels Johann Philipp dürften Schönborns spätere prohabsburgische Haltung im Reich begründet haben.
Nach der Rückkehr aus der Kaiserstadt nahm er zwischen 1676, dem Jahr seiner Subdiakonatsweihe, und 1693 seine geistlichen Ämter in Bamberg, Würzburg und Mainz wahr, die sich im Laufe der Zeit erweiterten. So erhielt er am 29.11.1681 ein Kanonikat im Bamberger, am 07.07.1683 im Würzburger Domkapitel. Sein Hauptengagement galt dem Bistum Bamberg, wo er rasch das Vertrauen von Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg gewann, der ihn zum Präsidenten der Hofkammer berief, ihn mit diplomatischen Aufgaben betraute und 1689 seine Wahl zum Domscholaster betrieb. In seiner Bamberger Zeit betätigte sich Schönborn auch erstmals als Bauherr, indem er ab 1693 Schloss Gaibach nach Plänen von Leonhard Dientzenhofer umgestalten ließ.
Schönborns gewinnendes Wesen sowie seine in Wien geknüpften Kontakte führten zum vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere. Nach dem Tod von Fürstbischof Stauffenberg wurde er am 16.11.1693 zu dessen Nachfolger auf dem Bamberger Bischofsstuhl gewählt (04.01.1694 Bestätigung durch Papst Innozenz XII., 25.01.1694 Verleihung des Palliums aufgrund eines alten Bamberger Privilegs). Am 16.08.1694 erfolgte durch Kaiser Leopold I. die feierliche Belehnung als Landesfürst.
Unerwartet schnell bot sich Schönborn noch im gleichen Jahr die Chance zu einer weiteren Rangerhöhung. Nach dem plötzlichen Tod des Mainzer Koadjutors Ludwig Anton von Pfalz-Neuburg bewarb sich Schönborn um dessen Amt. Er erhielt von Papst Innozenz XII. ein Eligibilitätsbreve und wurde am 03.09.1694 vom Mainzer Domkapitel zum Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge des kränkelnden Erzbischofs Anselm Franz von Ingelheim gewählt. Die Domherren der Erzdiözese hatten sich bei ihrer Entscheidung für Schönborn und gegen den jüngeren Bruder des verstorbenen Koadjutors, Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, von der Erinnerung an den machtvollen Episkopat Johann Philipps von Schönborn leiten lassen. Darüber hinaus erhofften sie sich die finanzielle Unterstützung Schönborns für das im Pfälzischen Erbfolgekrieg schwer in Mitleidenschaft gezogene Erzstift, da das Fürstbistum Bamberg prosperierte.
Bereits ein knappes halbes Jahr nachdem der Heilige Stuhl die Koadjutorenwahl bestätigt hatte (11.10.1694), fiel Schönborn durch den Tod des Kurfürsterzbischofs Anselm Franz das wichtigste geistliche Amt in der Germania Sacra zu (30.03.1695). Am 02.05.1695 zog Schönborn feierlich in Mainz ein, am 06.05.1695 erhielt er das Pallium. In kurzem Abstand folgten die höheren Weihen: 30.10.1695 Diakonats-, 01.11.1695 Priesterweihe durch Weihbischof Matthias Stark, 06.11.1695 Bischofsweihe durch die Weihbischöfe Stark und Johann Philipp Burkard von Speyer.
Obwohl Schönborn seine geistlichen Pflichten in Mainz und Bamberg nur sporadisch erfüllte und sich meist von seinen Weihbischöfen vertreten ließ, führte er die von seinem Onkel Johann Philipp begonnenen Maßnahmen der Katholischen Erneuerung fort. Seine Reformen galten der Ausbildung des Klerus, der Liturgie (1698 Herausgabe eines tridentinischen Missale, 1705 Neuauflage der deutschsprachigen Schönborn-Bibel von 1662, 1711 Edition eines Mainzer Propriums, 1715 eines Cantuale des Breviers, 1703 Veröffentlichung eines Bamberger Propriums, 1707 eines Gesangbuchs, 1724 eines Rituales für die Diözese Bamberg) und der Ausgestaltung der Volksfrömmigkeit (Förderung von Prozessionen und Wallfahrten, vor allem Ausbau der Wallfahrtskirchen Marienweiher und Walldürn, Einführung des Großen Gebets im Erzbistum Mainz 1722). Als Landesfürst war Schönborn bestrebt, den Einfluss der geistlichen Reichsstände zu stärken und in enger Zusammenarbeit mit dem Kaiserhaus Expansionsbestrebungen von seiten Frankreichs und der protestantischen Mächte, besonders Preußens und Hannovers, abzuwehren. Hilfreich war in diesem Zusammenhang, dass es Schönborn gelang, seinen Lieblingsneffen Friedrich Karl 1705 als Reichsvizekanzler einzusetzen.
Nicht unbedeutend war auch Schönborns Mitwirkung bei der Konversion von Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel zum katholischen Glauben (01.05.1707 in Bamberg) und ihrer späteren Eheschließung mit Kaiser Karl VI.° Eine wichtige Rolle spielte Schönborn ebenfalls bei der Wahl Karls VI.° zum römischen Kaiser. Dessen Krönung im Frankfurter Dom am 22.12.1711 bildete den Höhepunkt in Schönborn Wirken. Für seine treu ergebene Politik wurde er von den Habsburgern reich belohnt. U.a. erhielt er 100.000 Gulden, mit denen er den Bau des Schlosses Weissenstein bei Pommersfelden begann. Wie alle Schönborns war auch er vom »bauwurmb« besessen, wie er es selbst auszudrücken pflegte. Unter seiner Regierung erreichte die Bautätigkeit der Schönborns ihren Höhepunkt.
Eine Reihe von Künstlern, darunter die Baumeister Leonhard und Johann Dientzenhofer, Balthasar Neumann und Maximilian von Welsch, profitierten von Schönborns Mäzenatentum, das auch die Wirtschaft ankurbelte. Unter Beteiligung des Bauherrn entstanden die Pläne zur Bamberger Bischofsresidenz, zur Sommerresidenz Seehof der Bamberger Fürstbischöfe, zum Jagdschloss Jägerburg bei Forchheim, zum Lustschloss Favorite bei Mainz sowie zu den Schlössern Gaibach und Schönborns Lieblingsresidenz Weissenstein. Auch nahm Schönborn regen Anteil an den Bauvorhaben seiner Neffen, vor allem des Fürstbischofs Johann Philipp Franz von Würzburg und des Reichsvizekanzlers Friedrich Karl in Wien.
Mit Nachdruck betrieb Schönborn die dynastische Politik seiner Familie in der Germania Sacra. 1708 erreichte er die Wahl seines Neffen Friedrich Karl zum Koadjutor im Fürstbistum Bamberg, 1716 die Koadjutorie von Speyer für seinen Neffen Damian Hugo und 1719 die Wahl seines Neffen Johann Philipp Franz zum Fürstbischof von Würzburg. Damit war auch eine gleichartige Landespolitik in den genannten Hochstiften gewährleistet, die der wirtschaftlichen Entwicklung des mainfränkischen Raumes diente. Einen letzten Höhepunkt im Leben Schönborns bildete die Priester- und Bischofsweihe seines Neffen Friedrich Karl am 10. und 20.06.1728 in Mainz.
Schon länger kränkelnd, starb er am 30.01.1729 in Mainz. Sein Leib wurde im Dom zu Mainz, seine Eingeweide in Schloss Weissenstein und sein Herz im Bamberger Dom beigesetzt. Nach der Säkularisation gelangte das Herz ebenfalls nach Weissenstein.
Schönborn war einer der herausragendsten Vertreter der Schönborns und ein bedeutender Kirchenfürst im Heiligen Römischen Reich. Als typischer Vertreter des Barock setzte er sich vor allem in seinen diversen Schloss- und Kirchenanlagen ein Denkmal. Allerdings vermochte er den Einfluss seiner Familie auf die Germania Sacra nicht dauerhaft zu festigen, was sich u.a. darin zeigte, dass es ihm nicht gelang, einen Angehörigen zum Koadjutor und damit zu seinem Nachfolger im Erzbistum Mainz durchzusetzen.
| | Quelle: www.erfurt-web.de | | |
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